Fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen bei 
schweren 
Erkrankungen & 
„Social Freezing“

Für Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter mit schweren Erkrankungen (z.B. Krebs) stellt sich die Frage nach der Familienplanung. Können sie noch Eltern werden? Es ist daher sinnvoll, dass sich Patienten noch vor einer Krebsbehandlung über fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen informieren.
Auf den folgenden Seiten beschreiben wir, welche Methoden es gibt, die Fruchtbarkeit zu konservieren, um auch nach einem Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit noch Eltern werden zu können.

Lesen Sie dazu auch: www.fertiprotekt.de

Kryokonservierung von befruchteten oder unbefruchteten Eizellen/Vitrifikation

Vor einer Chemo- oder Strahlentherapie gibt es zwei Möglichkeiten Eizellen einzufrieren:

  1. Es werden befruchtete Eizellen eingefroren.
    Eine hormonelle Behandlung der Eierstöcke geht diesem Prozess voraus. Die herangereiften Eizellen werden entnommen. Hat die Frau einen festen Partner, werden die Eizellen mit dessen Spermien durch die künstliche Befruchtung (IVF/ICSI- In-vitro-Fertilisation/Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) befruchtet. Einen Tag später werden die befruchteten Eizellen im Vorkernstadium eingefroren. Sie können später aufgetaut und zu Embryonen kultiviert werden und in die Gebärmutter übertragen werden (Embryonentransfer).
  2. Es werden unbefruchtete Eizellen eingefroren.
    Befindet sich die betroffene Frau in keiner festen Partnerschaft, werden die Eizellen unbefruchtet eingefroren. Auch hier geht eine hormonelle Behandlung der Eizellen voraus. Hierbei wird die Vitrifikation angewendet, eine neue und schonende Einfriermethode. Wenn die Frau von ihrer Krankheit genesen ist und sie einen Partner hat, können ihre Eizellen mit dessen Samen ebenfalls per IVG/ICSI-Therapie befruchtet werden.

Downregulation mit GnRH-Analoga/ -Antagonisten

Steht eine Behandlung bevor, die die Eizelle schädigen könnte, gibt es die Möglichkeit diese zu schützen. Es werden dann Medikamente verabreicht, die die körpereigene Hormonproduktion unterdrücken. Die Eizelle ruht dann während der Chemotherapie und wird so vor negativen Folgen geschützt. Studien unterstreichen, dass die Eierstöcke durch diese Medikamente weniger geschädigt werden. Endgültig bewiesen ist dies jedoch nicht. Die Chemotherapie wird von der Medikation in ihrer Wirksamkeit nicht beeinträchtigt. Lediglich bei hormonbedingtem Brustkrebs herrscht dazu noch keine eindeutige Klarheit.

Kryokonservierung und Transplantation von Eierstockgewebe

Steht eine Chemotherapie bevor, gibt es die Möglichkeit, im Vorfeld einen Eierstock oder Teile davon bei einer Bauchspiegelung zu entnehmen. Das Ovarialgewebe kann kryokonserviert werden. Bei -196° Celsius kann es über Jahre in flüssigem Stickstoff gelagert werden.
Nach der Genesung kann das Gewebe zurückverpflanzt werden. Im Idealfall wächst es wieder an und produziert weibliche Geschlechtshormone und Eizellen. Eine Schwangerschaft ist dann auf natürlichem Weg oder mit künstlicher Befruchtung möglich. Wie erfolgreich diese Behandlung ist, kann noch nicht mit statistischer Sicherheit gesagt werden.
Das Eierstockgewebe wird in einem onkologisch-operativen Zentrum entnommen. Die Konservierung und Lagerung übernehmen spezialisierte Zentren mit höchsten Qualitätsstandards. Dies ist notwendig, um die Überlebensfähigkeit des Eierstockgewebes zu gewährleisten. Spezialkliniken in Deutschland sind die Universitätsfrauenkliniken in Bonn und Erlangen. Die Transplantation kann dort stattfinden oder am Entnahmeort.

Kryokonservierung von Spermien aus dem Ejakulat

Durch Chemo- oder Strahlentherapie kann die männliche Fruchtbarkeit geschädigt werden. Auch Operationen können eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit zur Folge haben. Um dennoch einem späteren Kinderwunsch entsprechen zu können, gibt es die Möglichkeit der Kryokonservierung von Spermien. Das Einfrieren von Samen aus dem Ejakulat vor einer Behandlung/Operation, sichert der behandelten Person durch künstliche Befruchtung auch später die Erfüllung eines Kinderwunsches.

Einfrieren von Spermien aus dem Hodengewebe (TESE – testikuläre Spermienextration)

Neben der Konservierung von fruchtbaren Spermien aus dem Ejakulat, gibt es die Möglichkeit Spermien aus dem Hodengewebe zu gewinnen. Diese Methode kommt dann zur Anwendung, wenn im Ejakulat keine Spermien enthalten sind oder eine Ejakulatabgabe nicht möglich ist. Bei der testikulären Spermienextraktion werden in einem ambulanten Eingriff Hodengewebeproben operativ entnommen, eingefroren und gelagert. Nach dem Auftauen können hieraus Spermien entnommen werden, mit denen später eine künstliche Befruchtung durchgeführt werden kann. Wie erfolgreich diese Methode ist, hängt davon ab, wie viele befruchtungsfähige Spermien sich zum Zeitpunkt des Einfrierens im Hodengewebe befinden.